Welche Veränderungen hat dein Unternehmen in Zeiten der Corona-Krise erfahren? Musste das Geschäftsmodell infolge von Corona angepasst werden?
Janis M.: Wir hatten Glück, dass die fairTEiLBAR als Lebensmittelgeschäft geöffnet bleiben durfte, als Versorger konnten wir in unseren Strukturen so weitermachen, in dem wir adäquat reagiert und unser Sicherheitssetting angepasst haben. Es wird häufiger desinfiziert, unsere Kund*innen treffen sich jetzt in der Schlange vor dem Laden und nicht mehr im Laden und unsere Workshops finden auch mal online statt. Aber wir mussten uns nicht damit beschäftigen, unser Konzept neu zu denken und anzupassen an die Krise.
Hast du Unterstützungsmaßnahmen für von der Corona-Krise betroffene Unternehmen, wie die NRW-Soforthilfe, beantragt? Inwieweit haben dir diese Unterstützungsmaßnahmen geholfen?
Janis M.: Für uns kam die NRW-Soforthilfe nicht in Frage. Als Lebensmittelgeschäft hatten wir während des gesamten ersten Lockdowns geöffnet. Unsere Öffnungszeiten haben sich etwas verändert, da die Nachfrage sich auf den Vormittag und frühen Nachmittag konzentrierte.
Wir konnten tatsächlich durch Corona auch positive Entwicklungen beobachten: Essen muss man immer und plötzlich war außer Haus essen nicht mehr angesagt. Wir wurden nicht nur zum Einkaufsevent, sondern gaben Kochtipps und überzeugten, Neues auszuprobieren.
Du bist die Gewinnerin der Roadshow „NEUE GRÜNDERZEIT NRW 2020“. Was planst du, mit dem Gewinn von 5.000 Euro zu unternehmen?
Janis M.: Nicht ich bin die Gewinnerin, sondern das Team und die Idee der fairTEiLBAR haben gewonnen. Und da geht es auch direkt mit weiter. Die fairTEiLBAR wird gerade von unglaublich engagierten Menschen getragen. Wir wollen im nächsten Jahr ermöglichen, dass die Idee weiterentwickelt wird. Und zwar mit Bildungsarbeit. Im Team sind bereits zwei Mitarbeiterinnen, die aktuell an verschiedenen Workshop-Formaten arbeiten. Unter anderem soll es gelingen, dass die fairTEiLBAR auch bald bei euch in der Schule oder gemeinsam in der Küche oder auf dem Acker aktiv wird.
Och, und ein Lastenrad wäre auch nicht schlecht.
Was ist deine Vision für die fairTEiLBAR?
Janis M.: Natürlich wollen wir wachsen, aber nicht aus dem Grund der Gewinnmaximierung, sondern damit wir mehr Lebensmittel retten und noch mehr Menschen für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisieren können. Die Arbeit der fairTEiLBAR besteht aus unglaublich viel Care-Arbeit. Im Moment können nur sehr wenige Menschen bezahlt werden, geschweige denn davon leben. Wir wünschen uns, dass auch diese Arbeit, die in den Augen vieler als weniger wertvoll angesehen wird, wertgeschätzt und vor allem adäquat bezahlt wird. Im Moment arbeiten wir als Team daran, Stellen zu definieren. Unser Ziel ist es also, mehr Menschen bezahlte Arbeit in der fairTEiLBAR zu ermöglichen. Außerdem gibt es noch viel mehr wertvolle Lebensmittel zu retten, als wir es aktuell tun können. Wir setzen dabei auf Zusammenarbeit und Kooperation anstatt auf Konkurrenz.
Das Erschließen neuer Märkte klingt immer so gut, und das haben wir von Anfang an auch mitgedacht. Wir müssen und möchten alle Menschen ansprechen und mitnehmen auf den Zug „Lebensmittel retten“. Denn wenn nur der Teil in der Gesellschaft, der sich gerade schon mit Umwelt- und Klimafragen beschäftigt, auch zu uns kommt, dann können wir nicht so viel erreichen, unseren Wirkungskreis nicht erweitern. Mit der Klimakrise ist nicht zu spaßen. Nur wenn alle Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen, ist diese Aufgabe eventuell zu schaffen. Mit unserem Bezahlkonzept „Zahl, was es dir wert ist!“ erreichen wir zwei Ziele: Erstens sind alle Kund*innen bei uns an der Kasse dazu eingeladen, sich mit Lebensmitteln intensiver auseinanderzusetzen und entscheiden in diesem Prozess, was ihnen ihr Einkauf wert ist. Und zweitens erreichen wir auch die Menschen, die nicht primär aus einem Nachhaltigkeitsgedanken bei uns einkaufen, sondern zu den weniger privilegierten Menschen gehören, die möglicherweise monatlich schauen müssen, wie sie über die Runden kommen. Schließlich können viele von uns im Laufe ihres Lebens mal in eine finanziell schwierigere Lage kommen – sei es im Studium, in der Rente oder als Alleinerziehende*r.