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Judith Huppertz und Christoph Verstraeten in ihrer Geigenbauwerkstatt, arbeiten an Geigen

Interview mit Judith Huppertz, Vitula

Die gelernten Geigenbauer Judith Huppertz und Christoph Verstraeten haben im November 2015 eine Geigenbauwerkstatt im Zentrum von Aachen gegründet. Mit ihren damals 28 und 29 Jahren zählen sie zu den jüngsten Geigenbauern, die schon ihre eigene Werkstatt betreiben.

Sie restaurieren wertvolle, oft Jahrhunderte alte Streichinstrumente und bauen, inspiriert von den alten Instrumenten, die sie täglich in den Händen halten, regelmäßig neue Streichinstrumente. Außerdem führen sie alle gängigen Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen aus.

Wie kam es dazu, dass Ihr gemeinsam Eure eigene Werkstatt gegründet habt?

Judith Huppertz: Dass ich mich selbstständig machen möchte, stand eigentlich schon vor Beginn meiner Ausbildung zur Geigenbauerin fest. Die wirkliche Entscheidung haben wir dann aber relativ spontan getroffen. Christoph und ich waren zu diesem Zeitpunkt beide Angestellte, aber irgendwie unzufrieden mit unserer Situation. Eines Nachmittags im Frühjahr 2015 saßen wir dann zusammen und haben uns überlegt, was wir an unserer Situation verändern könnten. Da wir wussten, dass wir dazu bereit sind, uns selbstständig zu machen, haben wir dann die Entscheidung getroffen, das so schnell wie möglich zu tun.

Judith Huppertz arbeitet an Bauteil einer Geige

Was habt Ihr gemacht, nachdem Ihr die Entscheidung getroffen habt?

Huppertz: Zuerst haben wir es unseren Freunden und der Familie erzählt. Die haben sich eigentlich alle sehr gefreut und uns unterstützt in unserem Vorhaben. Mit meinen Eltern haben wir dann gleich auch nach Immobilien geschaut. Tatsächlich haben wir zusammen eine passende gefunden, in der wir mittlerweile wohnen und arbeiten.

Gab es auch Leute, die Eurem Vorhaben nicht so positiv gegenüberstanden?

Huppertz: Natürlich gab es auch solche Leute, die an unserer Gründung gezweifelt haben. Die meisten von ihnen waren der Ansicht, dass wir zu unerfahren sind, um unsere eigene Geigenbauwerkstatt zu führen. Da wir uns aber bereit dafür fühlten, haben wir diese Zweifler eher als Ansporn genommen – wir wollten ihnen zeigen, dass wir das doch können.

Wir haben dann bei einem Seminar mitgemacht und dort den betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammer für die Stadt Aachen kennengelernt. Er hat uns dann bei der Erstellung unseres Businessplans unterstützt und wir stehen bis heute noch mit ihm in Kontakt.

- Judith Huppertz

Wie seid Ihr dann zum STARTERCENTER NRW gekommen und wie hat man Euch dort geholfen?

Huppertz: Ich habe mich online über Fördermöglichkeiten erkundigt und bin so auf die Existenzgründungsseminare der Handwerkskammer Aachen gestoßen. Wir haben dann bei einem Seminar mitgemacht und dort den betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammer für die Stadt Aachen kennengelernt. Er hat uns dann bei der Erstellung unseres Businessplans unterstützt und wir stehen bis heute noch mit ihm in Kontakt. Das STARTERCENTER NRW hat uns aber noch in anderen Belangen geholfen, beispielsweise haben sie uns bei unseren Verträgen beraten.

Was müsste jemand haben, der als Gründer erfolgreich sein möchte?

Huppertz: Am wichtigsten ist es, dass man sich in einer Sache selbstständig macht, die man liebt. Denn man verbringt viel Zeit mit dieser Tätigkeit und es gibt auch mal Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Hier muss man dann Durchhaltevermögen haben, um auch diese Phasen durchzustehen. Außerdem muss man auch Geduld haben und einen Schritt nach dem anderen gehen. Ich denke, letztendlich reicht eine Idee nicht aus – um wirklich erfolgreich zu sein, muss man auch einen Plan haben.

Ausblick

Judith Huppertz blickt nach unten, arbeitet an Geige

Gegenwärtig betreiben Judith Huppertz und Christoph Verstraeten ihre Geigenbauwerkstatt, die mittlerweile zur Meisterwerkstatt gewachsen ist, zu zweit. In Zukunft planen sie, ihr Unternehmen weiter auszubauen und Mitarbeiter einzustellen.

Alle Bilder © MWIDE NRW/Christopher Koch